Kunstgalerie

Über mich

Continuum der Materie.

Natalia Pohlas Eingebungen und Träume, entlastet von Logik und Dimension, münden, als intuitiver Drang, in einem schöpferischen Prozess. Als professionelle Fotografin interessiert sie der Trubel der Umgebung nicht – es ist vielmehr die Stille des Moments, eine persönliche Reflexionsfläche, als Zeitreise in die Vergangenheit, die ihre Sehnsüchte erweckt und unmittelbar mit Formen und Gestalten einhergeht.

Natalia Pohla

Natalia Pohla

Pohla erfreut sich an Details, die sie bewusst und unbewusst zu einer neien Konstitution zusammenfügt. Diese Unvorhersehbarkeit schätzt die Künstlerin sehr, denn das Endprodukt kann sowohl eine Erweiterung als auch eine Dekonstruktion des Angefangenen bedeuten. Trozdem versteht es Pohla als Notwendigkeit, dem betrachtenden Subjekt ihrer Arbeiten, die Freiheit zu lassen, seine eigenen Schlussfolgerungen zu finden – und das ohne sich einer bestimmenden Visualität oder Botschaft zu bedienen. Pohlas Werke offenbaren ein breites Spektrum an Technik und unterliegen keiner künstlerischen Kategorisierung.
Auch Literatur und Sprache gehört zu Treibkräften Pohlas. Die Gemeinsamkeit Brodskys und ihrer Gedanken wird sichtbar: der Wunsch nach der Thematisierung der Zeit und der Materie. Die leblosen Gegenstände in Pohlas Abbildungen erheben Anspruch auf einen eigenen, kontroversen Geist und werden zum Sozius des Menschen. Ihre Welten beinhalten Stühle, Betten, Tische und Lampen, die absurd oder sogar obszön ums Überleben kämpfen. Auch der russische Nobelpreisträger beobachtete und analysierte das Bestehen und die Agonie des Materiellen. So widmet er eins seiner bedeutendsten Gedichte einem einfachen Stuhl und erhebt diesen Gegenstand zum Teil der Sprache, zum Immateriellen und somit auch zum Ewigen. Das Phänomen der Zeit bekommt in Pohlas Werken eine unabsehbare Bedeutung, da sie oft von „Rückprozessen“ spricht, einem Verfahren, als Deformation oder Restaurierung des Gegebenen, um die geliebte Materie mit einem neuen Leben zu füllen und somit die Vergänglichkeit dieser Form aufzuheben. Brodsky erwähnt, dass ein Stuhl seine Ewigkeit auffindet indem er durch dasselbe Modell ausgetauscht wird – ein neuer Stuhl, der aber kein Unterschied zu seinem Vorgänger aufweist – ist im Grunde derselbe Stuhl. So sucht und findet auch Natalia Pohla ihre eigene Definition dieser Phänomene, indem sie sich in den Kreislauf des Greifbaren, dem hierarchische Wechselspiel des Lebens und der Vergänglichkeit begibt.

Victoria Rosenman